Montag Vormittag, ich betrete das Foyer einer Bank.  Vier Schalter sind besetzt, sowohl von Angestellten als auch von Kundinnen.  Davor erfreulicherweise eine kurze Schlange von Menschen, die geduldig auf das Freiwerden des nächsten Schalters warten.  Wohlgemerkt:  eine Schlange, ist ja sinnvoll;  nächster freiwerdende Schalter gehört der ersten Person in der Schlange …

Auftritt ältere Dame Nummer eins, schreitet selbstbewusst an der Schlange vorbei zu einem Schalter, und pflanzt sich direkt hinter dem diskreten Diskretionshinweis auf.  Wir in der Schlange tauschen verständnislose Blicke.  Ich nähere mich älterer Dame Nummer eins und weise sie höflich auf die Schlange wartender hin.  Sie kontert “aber ich stelle mich hier an!“.  Na gut, wer will schon streiten.  Ich zurück in die Schlange, mehr verständnislose Blicke und kopfschütteln mit den anderen Wartenden austauschend.  Zwei weiter Menschen stellen sich hinter mir in die Schlange.

Auftritt ältere Dame Nummer zwei, schreitet die Schlange ignorierend zu einem Schalter, pflanzt sich am Diskretionshinweis auf.  Wir Wartenden sind uns einig:  unerhört.  Jemand anderer aus der Schlange macht sich auf den Weg, um ältere Dame Nummer zwei zum kollektiven Warten einzuladen.  Die dazu aufgeforderte gestikuliert wild herum, verteilt böse Blicke und stürzt am Diskretionshinweis vorbei auf den gerade freigewordenen Schalter.  Mehr verständnislose Blicke werden kopfschüttelnd getauscht.  Es beginnt ein wenig nach Ärger zu riechen.  Doch auch die Geduld der Wartenden aus der Schlange wird mit freiwerdenden Schaltern belohnt;  bald darf auch ich tun, weswegen ich zur Bank gekommen bin.

Auftritt ältere Dame Nummer drei, marschiert ahnungslos an der Schlange der Wartenden vorbei zu einem Schalter.  Ich spreche sie an, und handle mir einen Verweis auf den Diskretionshinweis ein, auf dem sie sich aufgepflanzt hat.  Der Schalter daneben wird frei, und da ich jetzt der erste in der Schlange bin steuere ich darauf zu;  dicht gefolgt von älterer Dame Nummer drei, die es augenscheinliche nicht gewohnt ist, in ihrem Tun und Handeln von anderen gestört zu werden.

Über die Schaltertheke gebeugt, beschwert sie sich beim Bankangestellten über meine Dreistigkeit.  Meine Versuche, ihr die Lage zu erklären, schmettert sie mit einem bissigen “mit Ihnen spreche ich nicht!” ab.  Der Bankangestellte bleibt äusserlich gelassen.  Ich verweise ältere Dame Nummer drei höflich auf den Diskretionshinweis, und mache sie auf die Störung meiner Privatspäre bei der Erledigung meiner Bankgeschäfte aufmerksam.  Schliesslich zieht sie schimpfend ab.

Diese Szene wiederholt sich täglich, nicht nur in Banken.  Das in diesem Fall sämtliche unsolidarischen Personen ältere Damen waren war reiner Zufall.

Und die Moral von der Geschicht’?  Das die Welt so ist wie sie ist wundert mich nicht.