IC 611 von Salzburg nach Graz Haupbahnhof wird in Selzthal zu IC 601. Der eine IC wird an den anderen, von Linz kommenden gehängt, und gemeinsam geht die Reise weiter Richtung Süden. Noch nicht ganz, denn “wegen eines technischen Deffekts am Triebfahrzeug verzögert sich unsere Abfahrt um einige Minuten”.

Auch gut, die Toiletten in Zügen können mittlerweile ja auch auf Bahnhöfen benutzt werden, handelt es sich doch um “ein umweltfreundliches WC mit geschlossenem Abwassersystem”. Denkste! Zumindest der letzte Waggon des IC 611 hat noch eine Toilette mit Blick auf den Schotter der Bahntrasse. Würde ich mich hier erleichtern, könnte ich genauso gut direkt auf den Bahnsteig pissen.

Also umgedreht, und die Toilette am anderen Ende des Waggons aufgesucht, der ja immerhin eine Generation jünger ist. Diese Toilette ist außer Betrieb,

WC gestört

zwar ist die Tür offen, dennoch, definitiv außer Betrieb. Gut, noch einen Waggon durchschritten, und da ist sie, die betriebsbereite und nicht besetzte Toilette mit dem oben beschriebenen “geschlossenen Abwassersystem”. Letzteres begrüßt mich freudig mit einem zarten Wasserstrahl aus dem Handwaschbecken. Erst gestern war ich beim Gollinger Wasserfall, also kann mich das nicht beeindrucken.

Den Wasserstrahl löse ich gleich wieder aus, als ich mich vom Toilettensitz erhebe; aber gut, jetzt möchte ich mir ja sowieso die Hände waschen. Das Gebläse zum Trocknen der Hände schaltet sich jetzt auch mit ein; ich ziehe Papier vor. Freundlicherweise wische ich noch die Tropfen (es war Wasser, es war sicher Wasser!) vom Boden, die ein bis n (und ich möchte gar nicht darüber nachdenken, wie groß n hier ist) Toilettenbenutzer_innen vor mir hinterlassen und/oder übersehen haben.

Nachdem ich mich unverletzt durch die verschiedenen automatischen Türen (haben die ÖBB noch nie was von Douglas Adams’ Hitchhikers Guide to the Galaxy gehört?) gekämpft habe, sitze ich wieder auf meinem Platz und kann den Artikel hier zu Ende schreiben (den ich erst zu Hause veröffentlichen werden, weil WLAN gibt’s im IC 601 noch nicht). Zeit habe ich auch noch genug, denn mittlerweile hatten wir einen weiteren technischen Deffekt am Triebfahrzeug. Das resultiert in (bislang) 25 Minuten Verspätung und verpasste Anschlüsse für die Reisenden, die nicht nach Graz fahren. Aber Hauptsache wir kommen überhaupt an, und der Supermarkt im Einkaufszentrum (vormals bekannt als Bahnhof) hat noch offen, gelle?

Geschrieben in besagtem Zug am Montag, 21. Mai 2018